Der historische Garten

Europäische Gärten im Laufe der Geschichte

Garten um 1600
Garten um 1600

Im Mittelalter verbreitete die Kirche nicht nur die christliche Lehre, sondern über ihre Klostergärten auch Kenntnisse in Blumenzucht, Obst- und Weinanbau. Das Gartenzeitalter begann. Aus dieser Entwicklungszeit stammt bereits die heute noch übliche Dreiteilung des Gartens in Arzneigarten (Blumen-und Gewürzgarten), Gemüse- und Obstgarten.

Europa schien nur darauf gewartet zu haben, denn nun wurde alles nachgeholt, was man bislang versäumt hatte. Kaiser, Könige, Kurfürsten und Bischöfe und alle, die es sich leisten konnten, ließen in ihren Residenzen prachtvolle Gärten errichten, die größtenteils heute noch erhalten sind. Die Gartenanlagen der Renaissance- und Barockzeit bildeten den absoluten Gipfelpunkt dieser gekünstelten Entwicklungsepoche des Gartenbaues. Sie wurden offenbar auf dem Reißbrett entworfen. Bäume, Hecken und Sträucher mußten in geometrischen Formen gestutzt sein. Rabatten, Beete und Wege, alles war abgezirkelt, rechtwinkelig oder kreisrund. Überreste und Nachahmungen dieser Gartenkultur kann man heute noch allenthalben entdecken. Berühmte Gartenarchitekten dieser Zeit genossen das gleiche Ansehen wie Minister und unternahmen mit ihren Auftraggebern lange Reisen, nur um neue Ideen zu schöpfen.

Erst Mitte des 18. Jahrhunderts kam der barocke Prunkgarten aus der Mode. Jetzt aber endgültig. Er war immer nur ein Spiegelbild des Reichtums und der Wohlhabenheit gewesen. Deutsche Dichter und Maler erhoben den ungekünstelten Landschaftsgarten zum Ideal. Die weiträumige und großzügige Gartenanlage könnte auch heute noch als Idealform gelten, aber auf den meisten Grundstücken ist gar nicht der Platz dafür.

Wenn man von Notzeiten absieht, wo der Garten fast ausschließlich dem Kartoffel- und Tabakanbau diente, hat sich dieses Gartenbild seitdem nur noch um Nuancen verändert. Wie sehen den Garten weiterhin als einen Teil der natürlichen Landschaft, der sich deshalb stets in einer gewissen Abhängigkeit zu unmittelbaren Umgebung befindet. Die gestalterische Aufgabe ist um so reizvoller, je enger der Garten mit der freien Landschaft verbunden bleibt. Er sollte nie als Fremdkörper wirken, sondern sich auch mit seinen Baulichkeiten in Form, Farbe und Material dem Landschaftsbild organisch einordnen. Der Garten ist das Binde- und Schlußglied in der Entwicklung von der Natur- zur Kulturlandschaft.